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Falco live

Der Start von Falcos Live-Show war hollywoodreif. In hektischem Wechsel donnerten die zerhackten Elektronik-Akkorde des Intros zu *Rock me Amadeus* und Fetzen der *Kleinen Nachtmusik* von Meister Mozart aus den Boxen - minutenlang, bis die Spannung in der Halle am Zerreisspunkt angelangt war. Eine Bombenexplosion, deren Lärm weit über der von den Feuerschutzbestimmungen zugelassenen Obergrenze lag, tauchte die Szene auf der Bühne in ein grelles Licht wie am Jüngsten Tag und malte einen Moment lang den Ausdruck nackten Entsetztens auf die Gesichter der Falco-Musiker. Die österreichische Crew hatte es recht gut gemeint und etwas reichlich Pulver aus dem Horn geschüttet.
Doch die Falco-Live-show bietet mehr als nur Mätzchen. Falco zu sehen allein ist schon fesselnd. Seine Mimik, die Art wie er tanzt oder sich das Brillantine-glitzernde Haar zurechtstreicht, macht ihm niemand nach. Für so eine prickelnde Mischung aus echter Anmache und dezenter Selbstverarschung braucht man Feeling, wie es ausser Mick Jagger oder David Bowie nur wenige drauf haben.
Gesanglich hängte sich der Hölzel Hans von der ersten bis zur letzten Nummer des 90-Minuten-Konzerts voll rein, ohne auch nur einen Augenblick lang outfitmässig aus der Fasson zu geraten. Ein Wechsel des Seidenhemds war spätestens nach jedem dritten Song fällig. Grosse Umkleideaktionen gab es insgesamt sechs. Vom dezent-grauen Mass-Jackett bis zur Feldwebel- Uniformjacke hatte Falco alles im Bühnenschrank. Selbstverständlich liess er alle seine Hits vom Stapel, vom *Kommissar* bis *Vienna Calling*, daneben hauptsächlic Stücke aus seinem neuesten und bisher schärfsten Album *Falco3* wie *Macho Macho*, *Männer des Westens* oder *Munich Girls*.
So cool und überlegen Falco während des Gigs wirkte, in Wirklichkeit stand er unter Hochspannung. Seine arroganten Posen sind nur Image. Dahinter steckt ein grosser Respekt vor den Fans. Für sie möchte falco sein Bestes geben, und zwar vom ersten bis zum letzten Augenblick des Konzerts. Auf eine Tour mussten Falco-Fans mehr als drei Jahre lang warten, weil der Meister, über die Massen selbstkritisch, sich noch nicht stark genug fühlte und seiner Meinung nach zu wenig starke Songs hatte für eineinhalb Stunden Bühne. Das Image des Plastik-Playback-Typen aber, das Kritiker ihm in letzter Zeit anzuhängen versuchten, ärgerte ihn aber so, dass er jetzt seine Bedenken fallen liess, um es allen zu zeigen.
Falcos Musiker sind die Stars der österreichischen Studioszene. Drei Wochen ohne Pause, täglich von 14-22H mussten sie trainieren. Jede Minute zu spät kostete 100 Schilling Strafe für jeden - einschliesslich Chef.
Auf Tournee lebt Falco mit äusserster Disziplin. Tagsüber spricht er nur im Flüsterton, um seine Röhre zu schonen. Nach der Show verschwindet er umgehend ins Hotelbett.Allein - Freundin Isabella durfte nicht mit und für andere Girls interessiert sich der Sänger im Moment nicht. Während Band und Crew im Bus reisen, fährt Falco allein im geliehenen Porsche 928 zu den Auftrittsorten. Kennzeichen W - 608055....

Erscheinungstermin:
5. Dezember 1985