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Mythos Falco
- Der Egoist
Falco starb so wie
er gelebt hatte - schnell, rasant und immer auf der Überholspur.
Am 6. Februar 1998 Stiess er mit seinem metallic-grauen Mitsubishi-Jeep
in der Nähe der dominikanische Hauptstadt Santa Domingo frontal
mit einem entgegenkommenden Bus zusammen. Falco war sofort tot.
Der Wiener Sänger und Rapper, der mit Superhits wie *Der Kommissar*,
*Rock me Amadeus* und *Jeanny PartI* Popgeschichte schrieb, wurde
nur 40 Jahre alt. In seinen Songs lebt Johann Hölzel jedoch
weiter - den Künstlernamen Falco hatte er sich 1977 aus Bewunderung
für den DDR-Skispringer Falko Weisspflog zugelegt. Für
seine Fans ist der 'James Dean aus Österreich' zum Mythos geworden.
Makaber: Neun Monate nach seinem tragischen Tod feiert er in den
Charts nach einem fast 10jährigem Karrieretief ein unglaubliches
Comeback: Die neue Single *Egoist* steht seit Wochen unter den Top
five, das letzte Album *Out of the Dark* (dt: Aus der Dunkelheit)
hielt sich drei Monate in den Top ten. Und der Kult um falco geht
weiter: Gerade erschien unter dem Titel *Falco* eine Biographie
von Peter Lanz, die der Sänger kurz vor seinem Tod genehmigt
hatte. Mitte 1999 kommt ein neues Falco-Album mit bisher unveröffentlichten
Songs auf den Markt. Falco stieg nicht nur durch seinen frühen
Tod in den Pop-Olymp auf. Auch die bis heute nicht restlos geklärten
näheren Umstände seines Unfalls machen ihn zur Legende,
um die sich immer neue Spekulationen ranken. Sicher ist, dass er
bei seiner letzten fahrt 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte sowie
Spuren von Kokain und Mariuhana. Starb er im Drogenrausch? War es
gar Selbstmord? Ahnte er sein Ende? Ist es nur Zufall, dass Falco
in seinem Comeback-hit *Out of the Dark* am Schluss der Nummer rappt:
*Muss ich denn sterben um zu leben?* Falco gehörte zu den
schillerndsten Figuren des Pop-Business: cool, geniel, eitel, egozentrisch
- und zynisch. Sein Wiener Schmäh war nicht gekünstelt
sondern echt. Hinter seiner coolen Fassade verbarg sich aber ein
sensibler, zerissener Mensch, den alles Extreme anzog. "Falco
lebte immer zwischen Himmel und Hölle," schrieb ein österreichischer
Jounalist. "Als er oben stand, wollte er noch höher. Als
er fiel, konnte es ihm nicht dreckig genug gehen." Die Folge
seines extremen, unsteten Lebensstils: die Flucht in Alkohol und
Drogen. Falcos Songs spiegeln sein Leben wider. Sie handeln
von Glanz, Erfolg, Drogen und Tod. In *Der Kommissar* mit dem Falcos
karriere 1981 begann, und in *Der Mann mit dem Koks* (Anm: *Mutter
der Mann mit dem Koks ist da* heisst der Song), 1996, rappte er
über Kokain. Sein eigenes Denkmal setzte er sich mit *Rock
me Amadeus*. Textauszug: 'Er war ein Superstar, er war so poulär!
Er war so exaltiert, because er hatte Flair!' Seine Live-Auftritte
und seine spektakulären Videos waren Selbstdarstellungen: Falco
als Gentleman im schwarzen Smoking, als Rokoko-Punk oder in der
Phantasie-Uniform eines Generals. 1985 feierte er seinen grössten
internationalen Erfolg: *Rock me Amadeus* wurde Nummer eins der
US-Charts. Falco damals zu Bravo: "Ein Traum, den man nicht
in Worte fassen kann!" Je steiler es nach oben ging, desto
mehr verlor er den Boden unter den Füssen, wurde zum Exzentriker,
zum Egoisten: Wochenlang wohnte er im legendären Chelsea-Hotel
in New York, liess sich wie ein König hofieren, berauschte
sich am eigenen Erfolg und feierte wilde Partys mit Alkohol, Drogen
und Frauen. Für einen Skandal sorgte 1986 die Single *Jeanny
PartI*. In der dramatischen Ballade thematisiert er den Sexualmord
an einem 19jährigen Mädchen. Radiostationen boykottierten
den Song, das Video wurde verboten. Trotzdem verkaufte sich die
Single über 2,5millionen mal! Es folgte Teil II mit *Coming
home*, in dem er Jeanny und ihren Mörder wieder auferstehen
liess. Falco erreichte den Höhepunkt seiner Karriere - dann
folgte der tiefe Absturz. Über sein peinliches Duett *Body
next to Body* (1987) mit Brigitte Nielsen, der Ex-Frau von Sylvester
Stallone, lachte die ganze Pop-Branche. Fortan produzierte er nur
Flops, verlor seinen Plattenvertrg und verschwand schliesslich in
der Versenkung. In die Schlagzeilen kam er nur durch private Affairen
und das Ende seiner Ehe. 1986 wurde er Vater. Seine Frau, das
Modell Isabella, brachte Tochter Katharina zur Welt. Doch das bürgerliche
Glück hielt nicht lange: 1987 trennte sich Isabella von ihm
und nahm das Kind mit. Ein Drama folgte, das für Falco 1991
mit einem Schock endete: Ein Bluttest bewies, dass Katharina nicht
Falcos leibliche Tochter war. Nach dem Karrieretief stand Falco
nun auch privat vor dem Nichts. In dieser schweren Zeit hielt nur
seine Mutter Maria zu ihm. Erst fünf Jahre später machte
er musikalisch wieder auf sich aufmerksam: Unter dem Pseudonym 'T>MA'
veröffentlichte er die Techno-Nummer *Mutter der Mann mit dem
Koks ist da*. Ein Erfolg, der Falco neues Selbstvertrauen gab. Er
kaufte sich eine Villa in der Domenikanischen Republik und begann
mit Tic Tac Toe-Produzent Börger am Comeback zu feilen. Ender
Januar 1998 hatte er die Studioarbeiten abgeschlossen - Tage später
kam der tödliche Crash. Im Radio seines Autos steckte sein
musikalisches Vermächtnis - eine Demokassette des *Out of the
Dark*-Albums.
Erscheinungstermin:
5. November 1998 |