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Mit Madonna würde ich gern ein Duett aufnehmen

Bravo: Du hast mit „Choming Home (Jeanny 2)“ nahtlos an den Erfolg von "Jeanny" angeknüpft. Um alle Spekulationen zu beenden: Jeanny lebt?
Falco: Spekuliert wird an der Börse. Spekulationen gibt’s bei mir net.

Aber du hast dich nie konkret festgelegt, was mit dem Mädchen Jeanny passiert, was mit dem Typen passiert, dem du im Video darstellst.
Ich habe nie behauptet, Jeanny sei tot.

Du hast aber auch nie definitiv gesagt: Jeanny lebt.
Als Künstler lebe ich davon, dass ich Falco heiße, und Falco sagt nichts Definitives. Ich glaube, so wie sich das jetzt abzeichnet mit dem zweiten Teil von Jeanny, kann ich auch nicht versprechen, ob es bei drei Teilen bleiben wird. Die Trilogie von der man mir nachgesagt hat, sie wäre eine gute Ausrede gewesen, die gibt’s tatsächlich und sicher darüber hinaus noch einige Folgen.

Könntest du uns nicht eine Inhaltsangabe der ganzen Story geben?
Naa, dann ist ja die Spannung weg, und von der Spannung möchte ich noch ein bisschen leben.

Das Video zu „Coming Home“ ist wieder sehr plakativ, voller Anspielungen. Ist das Drehbuch von dir?
Ich erzähle Rossacher und Dolezal (den beiden Regisseuren und Produzenten des Videos) meine Ideen, und die setzen das dann bestens in Szene.

Welche Szene war besonders schwierig?
Einmal die Szene im Gang, wie ich mich da mit Koffer, Mantel und Hut entlangschleiche und Jeanny da als Bunny immer wieder auftaucht, ja und dann natürlich die Szene, wo mein Kopf an die ganzen Drähte angeschlossen ist, in dem Fernseher drinnen.

Diese Sequenz deutet doch klar auf die Behandlung eines Irren mit Elektroschocks hin.
Das interpretierst du! Das bleibt alles dem Betrachter überlassen, das müssen keine Elektroschocks sein, das könnte auch ein Lügen-Detektor oder sonstwas sein.

Aus welcher Idee heraus ist denn die Kostümierung mit dem großen weißen Hut und dem weiten Mantel entstanden?
Ich habe zuerst gesagt, ich möchte so aussehen wie Marlene Dietrich, da haben die gesagt: Wer bitte ist das? Da habe ich gesagt: Okay, seid ihr zu jung dazu. Dann sagte ich Hans Albers, da sagten sie, ja den kennen wir, aber der ist blond. Wir haben uns dann auf ein Mittelding zwischen Marion Brando, Klaus Kinski und Clint Eastwood geeinigt.

Das Mädchen Jeanny im zweiten Video wird wieder von Theresa Guggenberger – wie bei Jeanny I – gespielt. Es war zu hören, dass du sauer darüber warst, dass die Theresa unerwartet viel Medien-Resonanz fand, so dass ihr überlegt habt, ein anderes Mädchen für die Rolle zu verpflichten.
Das lag weder an den Medien noch an der Theresa. Das liegt an der Agentur, bei der die Theresa gearbeitet hat oder noch immer arbeitet, bei der Modell-Agentur, obwohl sie ja gar kein Modell ist, sondern Schauspiel-Schülerin. Ja, diese Agentur hat dann Meldungen in  die Welt gesetzt wie: „Selbst wenn Falco kommt und bittet und bettelt, unter 2000 Mark in der Minute, oder was weiß ich, 17000 Mark in der Stunde geben wir euch das Mädchen nicht!“ Und da sagte ich: Ihr werdet euch wundern, ich will gar nicht mehr. Aber das hat mit dem Mädl nix zu tun, die ist sehr talentiert und sehr gut.

Dann stimmt es auch nicht, dass die Theresa während deiner Österreich-Tournee vergeblich versucht hat, ein Wort mit dir zu wechseln?
Nein, nein, ganz im Gegenteil, wir haben sogar eine halbe Stunde miteinander geplaudert, ich hatte nur was dagegen, dass da Fotos gemacht werden, weil da wieder Gerüchte entstanden wären. Es geht um mein Video und nicht um die Darsteller.

Wird die Theresa denn in den weiteren, gesplanten Jeanny-Videos auch spielen?
Ich hoffe ja, wenn sie kein Kind bis dahin hat.

Du rauchst während unseres Interviews sehr viel. War das schon immer so?
Ich rauch’ halt sehr gern. Ich bin ein leidenschaftlicher Raucher, ich rauch schon, seit ich atmen kann, inzwischen hat’s sogar meine Mutter gemerkt.

Wie wichtig ist für dich Image, und was gehört dazu?
Ich glaube, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis man seinen Weg gefunden hat. Ich hab vor sechs Jahrne angefangen, erfolgreich zu sein und habe in der Zwischenzeit schon äußerlich ein bisserl mutiert, mich verändert. Hier ist einmal die Person Hans Hölzl, und da ist das Image Falco, und das Image hat zur Person zu kommen, nicht die Person hat zum Image zu werden.

Wie wichtig sind für dich reine Äußerlichkeiten?
Also ich würde sagen, entweder Maßschuhe um 1000 Mark oder Tennisschuhe. Dazwischen ist wenig, da wird’s eng.

Für welche der beiden Möglichkeiten hast du dich entschieden?
Alternierend, das wechselt.

Hast du einen Schneider, der dir Maßanzüge macht?
Ja, in Wien. Ich find’s ganz gut, mal im Jogging-Anzug rumzulaufen und dann wieder einen auf „modisch interessiert raushängen zu lassen“.

Die kurzen Haare sind auch neu bei dir. Hast du einen speziellen Friseur?
Ja, ich geh’ zum Erich. Erich Johamm, der ist am meisten hipp. Der hat eigentlich ein Kaffeehaus, nebenbei schneidet er auch noch Haare. Ich geh’ immer rein und sag’: „Erich, draußen sitzt mein Rechtsanwalt, bitte so kurz wie möglich, aber man darf die Kopfhaut nicht sehen.“

Gehört die Sonnebrille auch zu deinem Image?
Schon seit 6 Jahren. Sonnenbrillen sind immer ein sehr gutes Stilmittel, weil man da die Augen nicht sieht. Ich habe keine Lust, mir fürs Fernsehen zum Beispiel die Augen zu schminken, da tritt man halt mit Sonnenbrille auf. Auch die Idee mit den zurückgekämmten Haaren ist ja nichts anderes gewesen, als dass du den Kopf einfach unter die Wasserleitung hängst und immer frisiert bist.

Deine Freundin Isabella wohnt nicht mehr bei dir in Wien...
Ob freiwillig oder unfreiwillig sei dahingestellt.

Hat Isabella dich verlassen?
Also, der Isabelle mach’ ich keine Promotion, ja. Was das Kind angeht, kann ich dir zunächst mal sagen, ich hab’ momentan keine großen Probleme damit, weil es geht ihr sehr, sehr gut. Sie hat alles, was sie braucht, und sie ist zu klein, um zu begreifen, was so läuft. Für die Zukunft habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich mache so weiter wie bisher, mit demselben Dampf und mit demselben Einsatz und komme dann irgendwann mal in zehn Jahren an den Punkt, wo meine Tochter sagt: „Vati, es gefällt mir zwar ganz gut hier in New York, weil die Häuser so hoch und die Autos so groß sind, und in Monte Carlo gefällt’s mir auch, weil das Meer ist so schön, aber du hast mich nicht lieb, weil du hast dich in den letzten zehn Jahren nicht so viel um mich gekümmert.“ Das ist die eine Möglichkeit. Die andere würde sein: ich würde jetzt zugunsten des Familienvaters zurückstecken und meinen Beruf vernachlässigen oder reduzieren und würde dann in zehn Jahren wahrscheinlich zu dem Punkt kommen, wo meine Tochter sagt: „Vati, ich hab’ dich ganz, ganz lieb, aber meine Nachbarin in der Schule, die hat ein Fahrrad um 1000 Mark und ich hab’ nur eins um 600.“ So, jetzt kann ich’s mir aussuchen.
Ich glaube, es ist für meine Tochter gut, dass ich sie mitnimm, wenn sie laufen und sprechen kann und ihr die Welt zeige, auch wenn viele befürchten, dass ich sie zur Seite schiebe, wenn ich unterwegs bin. Das muss aber nicht so sein. Ich glaube, dass man das Kind wesentlich mehr beiseite schiebt, wenn man sagt, sie ist bei  ihrer Mutter gut aufgehoben, in Graz-Liebenau, und ich fahr jetzt wieder mal so rund um die Welt. Das ist eine wesentlich größere Vernachlässigung.
Wenn ich meine Tochter früh genug mitnehme, dann wächst sie auch in dieses Leben hinein, und ich kann leider kein anderes Leben bieten. Ich werd’ sicherlich Konzessionen machen, ich wird’ immer schauen, dass sie gute Schulen hat, weil eine gute Ausbildung unglaublich viel wert ist, ich werd’ mich bemühen alles richtig zu machen.

Ich möchte noch mal auf die Frage zurückkommen: Hat Isabella dich verlassen oder hast du sie rausgeworfen?
Das ist eine sehr, sehr konkrete Frage, und so wie du den Falco kennst, antwortet er nicht auf so konkrete Fragen. Ich glaube, dass es also unter jungen Leuten – und da bin ich sicher keine Ausnahme – immer Trouble gibt. Dass das natürlich nicht am Rücken des Kindes ausgetragen werden darf, ist mir auch klar. Man wird sich arrangieren, sei dir sicher, ich gebe euch noch viel Stoff in der Zukunft.

In deiner Wohnung in Wien bist zu jetzt also allein.
Nee, ich bin ganz und gar nicht allein, ich kann nämlich nicht allein sein. Ich bin sehr ungern allein. Wenn ich in Wien bin, ist die Kleine bei mir, da ist dann auch meine Mutter da, die wohnt dann bei mir in der Zeit, die Wohnung ist groß genug. Wenn ich unterwegs bin, ja, was soll sie dann in Wien? Dann ist sie natürlich bei der Mutter.

Du wolltest dir außerhalb von Wien ein Haus kaufen oder bauen lassen. Wie weit sind die Pläne fortgeschritten?
Da ging’s in erster Linie um das Kind, weil ich mir sicher bin, dass Kinder im Grünen besser aufwachsen. Okay, ich bin auch zwischen Ziegelsteinen und Betonwänden aufgewachsen und bin auch ein relativ normaler Mensch geworden. Es ist auf jeden Fall gut fürs Kind, wenn ein bisserl ein Grün da ist, wenn’s irgendwo ’ne Kuh gibt, wenn’s irgendwo Kinder von den Bauern gibt, die doch ein ganz anders Leben führen. Das war die Grundidee mit dem Haus im Grünen, ich werd’ mir da sicherlich keinen Wasserkopf anhängen, denn ich kann dies ohnehin nicht alles verwalten, wenn ich nicht da bin.

Die Wohnung in Wien behälst du auf jeden Fall?
Ja, das ist meine Junggesellen-Wohnung, die halt ich auf jeden Fall, die ist billig und schön. Ich werd’ halt für Mutter und Kind mal eine Wohung im Grünen einrichten, man wird sehen...

Hast du in Wien ein eigenes Auto?
Ich habe den kleinen Franzosen, einen Peugeot, mit Telefon und einer Super-Anlage drin. Aber ich fahre nicht viel, weil es zu viele Idioten auf unseren Straßen gibt, denen man ausgesetzt ist. Die meiste Zeit steht der Wagen in der Garage, meine Muter fährt ein bisserl damit und die Isabella manchmal.

Wie wichtig ist für dich Freundschaft, und wie viele echte Freunde hast du?
Sehr wichtig, und deswegen habe ich nur drei wirkliche Freunde, alles langjährige Freunde, alles Jungs. Ich meine, ich habe natürlich viele Freunde, wie du dir denken kannst. Leute, die gehen dreimal mit dir essen und denken dann, sie sind dein Freund. Freunde, die dir natürlich nur nach dem Mund reden. Rechtgeber, das amüsiert mich, und ich lass sie dann einfach in dem Bewusstsein. Ich lach’ mir einen ab hinter der Hand und denk’ mir, was für Idioten. Ich hasse nichts mehr als reine Loyalitäts-Bekundungen.

Du wolltest im Sommer den Führerschein für Speedboote machen.
Stell dir vor, ich hab’s geschafft. Sie haben mir das Patent gegeben! Mein Vater ist vom Sessel gefallen. Mein Vater baut Maschinen, ist in der Welt der Technik, der Räder und der Knöpfe sehr bewandert. Er weiß genau, dass ich zu den Menschen gehöre, denen du ’nen Hammer und ’nen Nagel in die Hand gibst und gleichzeitig schon die Reservierung im Hospital machst. Gleichzeitig mit dem Bootsführer-Patent, bekam ich also freundlicherweise – ich weiß gar nicht was ein Dieselkraftmotor ist – ein Zertifikat zur selbstständigen Wartung und Reparatur von Dieselkraftmotoren bis 500 PS, und als er das sah, ist er umgefallen, weil er genau weiß, dass ich keine Ahnung habe, was das ist.

Von welchem Künstler würdest du gern mal einen Song covern?
Ich habe den Plan im Kopf, irgendwann mal zwischendrin eine LP machen „Falco singt Hans Albers“. Ganz ernsthaft, „Flieger, zeig mir die Sonne“ und solche Sachen.

An irgendein Duett hast du seit dem misslungenen Versuch mit Désirée Nosbusch nicht mehr gedacht?
O ja, mit Madonna würde ich gern ein Duett aufnehmen.

Weiß sie davon?
Sie weiß noch nichts davon, aber wir haben in Amerika denselben Plattenfirmen-Chef, Saymour Stein von Sire Records, und der fragt immer mal wieder an.

Gibt es eine Persönlichkeit in diesem Jahrhundert, die du bewunderst?
Niki Lauda! Nicht weil er das rote Käppchen aufhat und rot-weiß-rot in seiner Seele immer sein wird, sondern weil der Mann mit 240 km/h gebrannt hat leibhaftig und dann noch einmal die Nerven gehabt hat, sich wieder reinzusetzen in so ein Auto. Und das geht weit hinaus über die Behauptung: „Na ja, des hat er müssen, weil er Geld gebraucht hat.“ Das würde ich im Leben nie schaffen, das ist unglaublich.

Hat das eine Parallele zu deiner Karriere, mit dem Karriere-Knick und dem neuen erfolgreichen Anfang?
Ja, insoweit, als wir beide verrückte Individualisten sind.

Gibt es irgend etwas, wovor du konkret Angst hast?
Ja, den Tod, weil es so etwas lächerlich Endgültiges ist, das ist für mich die Ur-Angst, und was anderes kann ich mir nicht vorstellen. Wenn du mich heute auf die Straße setzt und gibtst mir eine Mark und sagst du bist ein Niemand, dann fahr ich mit dem Autobus ins Studio und fang’ wieder von vorne an.

 Erscheinungstermin:
30. Oktober 1986

Thanx to Karin ;)