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Falco wohnt hinter Schloss und Riegel

Wien, I.Bezirk. Hier im Stadtkern, in der Schottenfeldgasse, einer Seitenstrasse der Mariahilfer Strasse, einer der Einkaufs-Adern der österreichischen Hauptstadt, wohnt Falco Amadeus, der zur Zeit stärkste Wiener Star. Im obersten Stockwerk eines alten Wiener Hauses mit Hinterhof aus der Gründerzeit, hat sich der Ex-Kommissar un Pop-Sänger Johann Hölzel häuslich nieder gelassen. Fast unglaublich, dass Falco für die 100qm grosse Wohnung nur umgerechnet 600 Mark Miete zahlt. Allerdings hat der 28jährige Allround-Typ an den Vormieter, einen Wiener Antiquitätenhändler, über 100.000 Mark Ablöse bezahlt, bevor er in den Genuss des günstigen, quasi unkündbaren, Mietvertrags kam.
Als Fussboden glänzt frisch eingelassener Parkettboden, der teilweise von ausgesuchten Perserteppichen erster Qualität bedeckt wird. Die fast vier Meter hohen Wände sind dezent gestrichen, die Decke prngt in renoviertem Stuck mit eingelassenen Messing-Halbkugel-Leuchten.
den noblen Geschmakchat sich der Pop-Mozart einiges kosten lassen. Ein knappe halbe Million, schätzt er so über den Daumen, steckt inklusive Mobiliar in seiner Wohnung. Kein Wunder also, dass vor der Haustür ein eisernes Scherengitter abschreckt, das es allein drei verschiedene Schlösser gibt, 2 schwere Metallriegel und natürlich eine Alarmanlage, die direkt mit der nächsten Polizeistation verbunden ist. In der gesamten Wohnung verhängen Vorhänge den Einblick, oder sind die Jalousien herabgelassen. Nachwirkung aus Falcos ehemaliger Wohnung im zweiten Stock eines alten Nonnenwohnheims. Dort schauten ihm die Nachbarn unverhohlen mit dem Feldstecher von der gegenüberliegenden Häuserfront ins Schlafzimmer und das nervte natürlich.
Ein Blick ins riesengrosse Wohnzimmer genügt, um Falco sofort als Leuchtkörper- Fetischisten und Liebhaber gediegener Antiquitäten und Art-deco-Möbel zu entlarven. Eine schwere Leder-Garnitur, ein achteckiger Art-deco-Couchtisch und ein elektronisch verstallbarer Fernsehsessel bilden die Wohnecke. An den Wänden hängen imposante Werke moderner Wiener Maler aus Falcos Freundeskreis. In den Fensternischen - die Fenster sind übrigens teilweise aus geschliffenem antiken Glas - stehen exotische Palmen, antike Porzellanbüsten und Falco-Souvenirs aus der Kommissar-Zeit.
Das Herzstück der Wohnung ist aber einwandfrei Falcos Musikzimmer und Mini-Studio. Hinter einer mit dickem Leder gepolsterten Tür stehen eine hochgezüchtete HiFi-Anlage mit Riesenboxen, ein elektronischer Flügel, ein Synthesizer, Gitarre und Bass. Dazu kommt ein professionelles Demostudio, Mischpult und Bandmaschine, um Falcos Kompositionen direkt zu tapen.
Der Flur ist mit Edelmetallen geschmückt. Goldene Schallplatten aus Europa und Übersee hängen eng an eng und pflastern den Weg zum Schlafzimmer des Poppers. Die perfekt eingerichtete Küche bleibt bei Falco allerdings meist kalt. Er futtert dafür lieber in seinem Stamm-Kaffeehaus, dem 'Café Westend' um die Ecke, oder im 'alten Fassl', einem original Wiener Beisl, das nicht weit entfernt neben seiner alten Wohnung liegt.
Ein Auto besitzt der *neue* Amadeus übrigens nicht mehr. Mit dem cross-motorrad oder dem taxi kommt er in Wien ohnehin schneller voran. Dem Geschwindigkeitsrausch frönt er allerdings trotzdem: mit einem 2 x 450 PS starken Speedboot auf dem Wörther See.

Erscheinungstermin:
1. August 1985