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Falco lebt im Kloster

Auf dem schon leicht vergilbten Türschild aus Pappe mit schwarzem Rand steht in Schnörkelschrift: "Reseviert f. Johann Hölzel" Das ist Falcos richtiger Name, der mit seinem Song *Drah di net um, der Kommissar geht um* die Hitlisten stürmt. Der Einzelgänger (so bezeichnet er sich selbst) wohnt ganz stilecht: Seit sechs Jahren lebt er in einer ehemaligen Zelle eines uralten Klosters im V. Wiener Bezirk. Die Mauern des viereckigen Ungetüms mit Innenhof sind rissig, der Putz abgebröckelt, und die Holztüren hängen meist etwas schief in den Angeln. Um zu Falcos *Zelle* zu kommen muss man 38 ausgetretene Steinstufen hinaufsteigen. Die Jungesellenbude besteht aus zwei kleinen Zimmern: Hinter der Eingangstür, im ersten Raum, pinkfarben gestrichen, stehen links ein einfacher Holztisch mit drei Stühlen und zwei mit Lebensmitteln und Schuhen vollgestopfte Regale. In der rechten Zimmerhälfte ist gerade Platz für einen zweiflammigen Herd, einen Schrank und das Waschbecken. Der Wasserhahn fehlt - Falco muss sein Wasser von der Leitung im Flur (dem ehemaligen Wendelgang der Nonnen) holen.
Ebenso kärglich eingerichtet ist das Wohn- Schlaf- und Arbeitszimmer: ein Holzbett mit Wolldecke, roter Stuhl im 50er-Jahre-Stil, Schreibtisch (auf dem steht eine Fotografie seiner hübschen Mutter im Silberrahmen), Regal und blauer Kleiderschrank. Am Fussende des Bettes ist eine Stereoanlage untergebracht: ein Plattenspieler und ein Radiorecorder mit Lautsprechern.
Neben dem Plattenspieler (er hört am liebsten David Bowie oder Roxy Music - oder Falco) ist für Falco das Telefon das wichtigste Inventar. Es steht auf der Heizung neben dem Bett. "Die Sekretärin meiner Plattenfirma ruft mich jeden Tag an um mich zu wecken. Ich habe zwar einen Wecker, aber ich weigere mich ihn zu hören." Für den BRAVO-Besuch wurde Falco schon um 11H geweckt. Sonst klingelts bei ihm immer erst um 13H. Denn Falco ist Langschläfer, und tagsüber läuft er fast nur mit einer Sonnenbriller auf der Nase herum: "Ich vertrag kein Sonnelicht."
Mädchen sind nur selten in der spartanischen Zelle des Wieners zu finden. Meistens haben seine Freundinnen eine eigene grosse Wohnung. "Ausserdem" sagt der 25jährige mit dem Alain Delon-Blick, "läuft die Gschichte mit der Liebe sowieso nicht mehr. Heute braucht doch keiner den andern. Ich bin viel zu egoistisch für Frauen und wenn ich doch mal gefühle brauch hol ich sie mir." Dann schlägt er langsam die Augen auf und meint: "Bei mir funktionierts nicht mit den Frauen.... Ich habe nur schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht. Nach einiger Zeit wollen die Mädchen immer, das ich für sie mitdenke und mitbestimme. Spätestens dann gehen sie mir auf die Nerven!" Falco möchte - wenn überhaupt - erst mit 50 Jahren heiraten: "Das ist gerade das heiratsfähige Alter." Dann möcht er auch Kinder haben: "Ich glaub, das ich mit meinen Kindern nicht so viele Schwierigkeiten hab wie meine Eltern sie mit mir hatten."
Falcos Eltern liessen sich scheiden, als er 11 Jahre alt war. Zu seiner Mutter hat er auch heute noch ein gutes Verhältnis. Sein Vater respektiere ihn mit wachsendem Erfolg immer ein bisschen mehr, sagt er. "Meine Mutter hat auch den grössten Teil der 1000 Mark bezahlt für meine erste Gitarre bezahlt. Ich war damals gerade 15 Jahre." Den Rest finanzierte sich Falco mit Englisch-Nachhilfe-
unterricht.
Die Sache mit dem Heiraten wird bei Falco aber nur unter einer Bedingung klappen: "Wenns mit der Emanzipation der Frauen nicht so weitergeht wie bisher. Denn inzwischen gehört es für Männer schon zum guten Ton, impotent zu sein."

 Erscheinungstermin:
15. April 1982